Lidl produziert keine Kleidung. Der Konzern ist Auftraggeber, genäht wird in Textilfabriken in Asien und der Türkei, die auch für andere Handelsketten arbeiten. Esmara, Livergy und Lupilu sind Markennamen, keine Fabriken.
Eine Liste mit allen Nähereien, die für Lidl arbeiten, ist öffentlich nicht vollständig verfügbar. Was es gibt, sind Verhaltensregeln, Auditsysteme und seit 2023 eine gesetzliche Sorgfaltspflicht.
Wer wissen will, ob die 4-Euro-Jeans fair produziert ist, bekommt deshalb keine einfache Antwort, sondern bestenfalls eine belegbare.
- Herstellerexterne Textilfabriken, überwiegend in Bangladesch, China, Indien und der Türkei.
- MarkenEsmara, Livergy, Lupilu und Crivit sind Eigenmarken von Lidl.
- KontrolleMitgliedschaft bei amfori BSCI, eigener Verhaltenskodex, Audits durch Dritte.
- Gesetzseit 2023 gilt das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.
- GrenzeAudits prüfen Stichproben, keine lückenlose Aufsicht.
Wie die Kette tatsächlich aussieht
- Lidl bestellt eine Kollektion, definiert Preis, Menge und Termin.
- Ein Lieferant oder Importeur vergibt den Auftrag an eine oder mehrere Nähereien.
- Die Näherei kauft Stoff bei einer Weberei, die Garn von einer Spinnerei bezieht, die Baumwolle von Farmen kauft.
- Die Ware geht per Container an ein Zentrallager und von dort als Aktionsposten in die Filialen.
Der entscheidende Punkt steckt in Stufe drei und vier: Je weiter man sich vom Regal entfernt, desto dünner wird die Kenntnis darüber, wer eigentlich arbeitet. Genau dort liegt seit Jahren die Kritik von Organisationen wie der Kampagne für saubere Kleidung.
Was Lidl selbst dazu veröffentlicht
Lidl ist Mitglied bei amfori BSCI, einem Branchenverbund für Sozialstandards in der Lieferkette, und hat einen eigenen Verhaltenskodex, den Lieferanten unterschreiben müssen. Auf seiner Seite zu Menschenrechten in der Lieferkette stellt der Konzern Grundsatzerklärungen, Aktionspläne und einen Fortschrittsbericht bereit.
Das ist mehr als früher und trotzdem kein Nachweis. Auditsysteme prüfen angekündigte Stichproben, sie kontrollieren nicht dauerhaft, und Unterlieferanten tauchen in ihnen oft gar nicht auf.
Warum der Preis so niedrig sein kann
Ein T-Shirt für drei Euro erklärt sich nicht allein über niedrige Löhne. Mehrere Faktoren kommen zusammen:
- Keine Markenmarge. Zwischen Fabrik und Regal sitzt kein Modelabel, das mitverdient.
- Riesige Stückzahlen in wenigen Größen und Farben, gefertigt in einem Rutsch.
- Aktionslogik. Die Ware liegt eine Woche im Laden, danach ist sie weg. Es gibt kein Lager, keine Zweitplatzierung, keine Saisonabschrift.
- Einfache Schnitte und günstige Materialien, meist Baumwollmischungen aus der Massenproduktion.
Das gleiche Prinzip greift bei den anderen Eigenmarken. Auch hinter Parkside oder SilverCrest stehen Auftragsfertiger, nicht Lidl-Werke. Wie es bei Lebensmitteln aussieht, zeigt die Frage, wer Lidl mit Backwaren beliefert, wo ein Teil der Produktion sogar konzernintern läuft.
Was du als Käufer davon hast
Ein paar Dinge lassen sich am Regal prüfen, ohne Lieferketten zu recherchieren.
- Ursprungsland im Etikett: "Made in" nennt den Ort der letzten wesentlichen Verarbeitung, also meist die Näherei.
- Siegel: GOTS und der Grüne Knopf stellen eigene Anforderungen, ein reines BSCI-Logo sagt über das einzelne Kleidungsstück wenig.
- Materialangabe: Sie steht rechtlich verpflichtend drauf und ist ein besserer Qualitätshinweis als der Markenname.
Und falls das Stück nicht passt oder nach dem zweiten Waschen auseinanderfällt: Bei einem Mangel greift die Gewährleistung, die Einzelheiten stehen in unserem Ratgeber zur Lidl Garantie. Für Onlinebestellungen gelten zusätzlich das Widerrufsrecht und die Versandkosten, und was mit zurückgeschickter Kleidung passiert, haben wir unter Lidl Rücksendungen aufgeschrieben. Woher der Firmenname stammt, erklärt unser Beitrag zum Namen Lidl.